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Sexy Beijing

20 février 2008, 23:06, par eric

Emigration...
Zu kurz hatten Walter und Jettel das Glück des Wiederfindens erleben dürfen, eher die Niedergeschlagenheit zurückkehrte, die sie peinigte. Ohne dass sie es sich einzugestehen wagten, litten beide noch mehr an der erzwungenen Gemeinsamkeit, die die Einsamkeit auf der Farm ihnen abforderte, als an der Einsamkeit selbst.
Sie waren es nicht gewöhnt, sich vollkommen auf einander einzustellen, und mussten doch jede Stunde des Tages ohne die Anregungen und Abwechslungen der Welt ausserhalb ihrer Gemeinschaft miteinander verbringen.Der kleinstädtische Klatsch,den sie in den ersten Jahren ihrer Ehe belächelt und oft sogar als lästig empfunden hatten, erschien ihnen im Rückblick heiter und spannend. es gab keine kurzen Trennungen mehr und so auch nicht die Wiedersehensfreude, die den Streitereien den Stachel genommen hatten und die ihnen in der Erinnerung wie harmlose Plänkeleien erschienen.
Walter und Jettel hatten sich seit dem Tag gestritten, an dem sie sich kennnengelernt hatten. Sein aufbrausendes Temperament duldete keinen Widerspruch ; sie hatte die Selbstsicherheit einer Frau, die ein auffallend hübsches Kind gewesen war und von ihrer früh verwittweten Mutter vergöttert worden war.In der langen Verlobungszeit hatten sie die Auseinandersetzungen über Banalitäten und ihrer beider Unfähigkeit zum Einlenken noch beschwert, ohne dass sie einen Ausweg gefunden hatten.Erst in der Ehe lernten sie das vertraute Wechselspiel zwischen kleinen Kämpfen und belebenden Versöhnungen als Teil ihrer Liebe zu akzeptieren.
Als Regina geboren wurde und sechs Monate später Hitler an die Macht kam,fanden Walter und Jettel mehr Halt aneinander als zuvor, ohne sich bewusst zu werden, dass sie bereits Aussenseiter im vermeintlichen Paradies waren.Erst im monotonen Lebensrythmus von Rongai erkannten sie, was tatsächlich geschehen war.Sie hatten fünf Jahre lang die Kraft ihrer Jugend für die Illusion eingesetzt, sich eine Heimat zu erhalten, die sie schon längst verstossen hatte.
(aus Stefanie Zweig : Nirdendwo in Afrika)

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